Massivholzmöbel richtig anschleifen und ölen
In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie Ihre geölten Massivholzmöbel richtig anschleifen und nachölen, welche Schleifkörnung und welches Holzöl sinnvoll sind und worauf Sie bei Leinöl achten müssen.
1. Warum Massivholzmöbel nach Jahren nachgeölt werden sollten
Es kann sein, daß ein Massivholzmöbel nach mehreren Jahren leicht rau wird, weil die Holzfasern durch hohe Luftfeuchtigkeit aufgestanden sind. Auch kann das Öl im Laufe der Jahre vergehen, was das Holz stumpf und glanzlos aussehen lässt.
Massivholz verändert sich ebenfalls üblicherweise im Laufe der Jahre, und durch ein Nachölen wird die Tiefe und Schönheit des Massivholzmöbels wieder hervorgeholt.
Das ist der Vorteil von geölten Holzmöbeln gegenüber lackierten Massivholzmöbeln – eine geölte Fläche kann sehr leicht überarbeitet werden, und dann wirkt Ihr Massivholzmöbel wieder wie neu.
Auch Flecken, Kratzer und dergleichen können bei einem geölten Holzmöbel einfach repariert werden. Die entsprechende Stelle kann einfach angeschliffen werden, bis der Schaden weg ist, und nachgeölt werden.
Eine lackierte Fläche hingegen ist in der Regel irreparabel. Kratzer, Flecken und so entstehen im Alltag, daher sehen lackierte Möbel nach 10 oder 20 Jahren etwas ramponiert aus. In den Kratzern sammelt sich Schmutz, so daß diese noch deutlicher sichtbar sind. Ist die Fläche aber geölt, kann das leicht aufgearbeitet werden, so daß Ihr Massivholzmöbel wieder wie neu ist.
2. Wie oft soll Massivholz nachgeölt werden?
Das hängt von der Holzart ab, von der Art des Holzöls und der Belastung der Fläche.
Grundsätzlich gilt: Je weicher und langfaseriger das Holz, desto öfter könnte es bei Bedarf nachgeölt werden. So könnte ein Holzmöbel aus Erle schon nach wenigen Jahren neues Öl brauchen, ein Schrank in Buche aber erst nach 10 Jahren oder später.
Eine Tisch- oder Küchenarbeitsplatte wird stärker beansprucht und muß dementsprechend schneller nachbehandelt werden. Je nachdem, wie stark die Belastung ist, alle paar Jahre, bei Bedarf auch öfter. Sobald die Fläche "stumpf" wirkt und Wassertropfen nicht mehr einfach abperlen, ist die Schönheit des Holzes und auch der Holzschutz nicht mehr so gewährleistet. Hier wäre es an der Zeit für einen weiteren Ölauftrag.
Es ist nicht so, daß Holz nachgeölt werden muß - es geht ja nicht kaputt, nur weil es nicht nachgeölt wird. Durch das Nachölen wird die Schönheit des Holzes wieder hervorgeholt und der Holzschutz wieder vollständig hergestellt. Das ist bspw. für einen Couchtisch sinnvoll, weil der sonst schneller Flecken bekommt; Bei einem Bett hingegen ist das weniger oder gar nicht notwendig.
Im Internet lese ich die Empfehlung (eines Anbieters von Holzöl), Holzmöbel ein- bis zwei Mal im Jahr nachzuölen. Ich will niemandem zu nahe treten und kenne die Firma ganz gut, aber das ist Quatsch und dient vor allem dem Verkauf. Das mag vielleicht für eine Küchenarbeitsplatte gelten, wenn diese jeden Tag mehrmals naß abgewischt wird und gut geschützt sein sollte, aber selbst hier fände ich das zu häufig. Nach meiner Erfahrung braucht auch eine Küchenarbeitsplatte nur alle paar Jahre neues Holzöl, lediglich bei sehr intensiver Nutzung vielleicht einmal im Jahr.
Durch zu häufiges Ölen wird die Oberfläche speckig und unansehnlich. Bei unseren Möbeln reicht es, wenn ein Buche oder Eiche Möbel nach 5-10 Jahren nachgeölt wird. (Beanspruchte Flächen wie Tischplatten etwas öfter). Und auch wenn Sie Holzmöbel, bspw. ein Holzbett oder einen Schrank von uns nie nachölen, ist das i.d.R. auch kein Problem. Es ist hier eine Frage des "Finish" und von Ihrem Geschmack, keine Notwendigkeit.
3. Massivholzmöbel anschleifen – Vorbereitung für das Nachölen
Wenn die Oberfläche etwas rau ist oder Flecken o.ä. aufweist, dann ist es sinnvoll, die Fläche etwas anzuschleifen und die Flecken wegzuschleifen.
Sie können das Holz aber auch einfach nachölen, ohne zu schleifen.
3.1 Das richtige Schleifpapier für Massivholzmöbel
Das Anschleifen sollte mit einem Schleifpapier Korn 150 bis 180 gemacht werden. Eine niedrigere Körnung ist zu grob und kann Spuren hinterlassen, eine feinere Körnung ist zu fein und bringt nicht wirklich etwas.
Sollen Flecken herausgeschliffen oder eingefallene Holzriegel egalisiert werden oder dergleichen, dann kann man mit gröberem Schleifpapier beginnen (Korn 100 oder 120), muss dann aber mit feinerem Schleifpapier der nächsten Körnung nachschleifen (eine Stufe bei der Körnung kann übersprungen werden: Also nach Korn 100 kann man Korn 150 nehmen, nach Korn 120 dann 180).
Ist die Fläche perfekt vorbereitet, eben und glatt, dann kann man auch eine höhere Körnung nehmen, maximal 240. Je höher die Körnung, desto glatter das Holz, und umso schlechter nimmt Holz das Holzöl auf. Daher sollte man nicht mit einem feineren Schleifpapier schleifen, Korn 240 ist schon grenzwertig.
3.2 Schleifrichtung: immer in Maserrichtung
Beim Schleifen ist darauf zu achten, daß unbedingt nur längs zur Faser geschliffen wird! Nie quer zur Faser, denn das kann Querkratzer zur Folge haben.
3.3 Wie stark muss das Holz angeschliffen werden?
Wie stark geschliffen werden muß, resultiert aus der Frage, was Ihr Ziel ist. Wollen Sie das Holz lediglich etwas glätten, dann genügt es, mit einem scharfen Schleifpapier kurz über die Fläche zu gehen, immer in Längsrichtung, wie in dem Video gezeigt. Wenn Sie einen Fleck, Kratzer oder dergleichen weg schleifen wollen, dann schleifen Sie so lange, bis die Stelle in Ordnung ist.
4. Massivholzmöbel nachölen – das passende Holzöl wählen
Das Nachölen kann mit einem üblichen handelsüblichen Holzöl geschehen. Dünnflüssigeres Holzöl eignet sich besser, denn es lässt sich besser verteilen. Beim Nachölen ist das Holz ja schon geölt, das heißt, daß in das Holz nur wenig Öl eindringen kann, das Holz kann nicht mehr viel aufnehmen. Ist das Holzöl dickflüssig und hat einen hohen Festkörperanteil, dann kann das zu „Nestern“ und zu Glanzstellen führen.
Ich verwende zum Nachölen gerne ein Tauchöl, was ohnehin dünnflüssiger ist. Sie können aber sogar auch Sonnenblumen- und Distelöl verwenden (kein Scherz, die werden tatsächlich als Möbelöl verwendet), die sind schön dünnflüssig. Es geht beim Nachölen ja nur um das reine Finish der Fläche.
Sie sollten zum Ölen von Tisch- und Küchenarbeitsplatten darauf achten, daß das verwendete Holzöl das Zertifikat "lebensmittelecht" trägt.
Leinölhaltige Holzöle empfehle ich nicht. Leinöl braucht sehr lange zum Trocknen, hat einen starken Eigengeruch, der gerne mit diesen Zitrusölen übertüncht wird, die bei sensiblen Menschen Kopfschmerzen verursachen. Und leinölgetränkte Lappen entzünden sich selbst, das ist wirklich brandgefährlich. Das sind starke Argumente, die gegen Leinöl im Holzöl sprechen.
Wir verwenden ein Holzöl von Complex, ein kleines Unternehmen aus Tirol. Meiner Meinung nach ist es das beste Holzöl auf dem Markt, es hat sämtliche Zertifikate, die es so gibt, und es ist vollkommen leinölfrei. (Ich bekomme übrigens kein Geld von Complex und muß das Holzöl auch kaufen.)
5. Schritt-für-Schritt: Massivholzmöbel richtig ölen
Zuerst sollte die Fläche natürlich trocken, sauber und staubfrei sein.
Zum Nachölen bringen Sie eine kleine Menge Holzöl auf das Holz, wie auf dem Video gezeigt, und massieren es mit kreisförmigen Bewegungen mit einem Lappen in das Holz ein. Achten Sie darauf, daß das Öl gut verteilt ist und auch die Ränder und Kanten gut benetzt sind. Dann warten Sie etwa 15 Minuten, bis Sie die Fläche mit einem trockenen Tuch „trocken reiben“, um so überschüssiges Öl zu entfernen. Zum Schluß sollten Sie die Fläche in Maserrichtung abziehen, damit es keine Querstreifen gibt.
Die Trockenzeit richtet sich danach, wie viel und welches Holzöl Sie genommen haben. Bei dem von mir verwendeten Tauchöl von Complex ist die Fläche nach 12-24 Stunden trocken. Bis das Öl vollkommen ausgehärtet ist, dauert es etwa 1-2 Tage.
Ein leinölhaltiges Holzöl benötigt i.d.R. mehrere Wochen zur Aushärtung, Luftzirkulation vorausgesetzt. Ohne Luftzirkulation wird der Aushärtungsvorgang bei Leinöl abgebrochen und das Holz wird auf ewig diesen typischen muffigen Leinölgeruch haben (den man kennt, wenn man einen mit Leinöl geölten Schrank aufmacht) und immer eine seltsam honigfeste Oberflächenqualität besitzen.
6. Sicherheit beim Umgang mit leinölhaltigen Holzölen
Falls Sie ein leinölhaltiges Holzöl verwenden:
- Lassen die den benutzten Lappen auf gar keinen Fall zusammengeknüllt liegen, auch nicht "nur kurz"!!! Wenn Sie den Lappen kurz weglegen müssen, dann immer ausgebreitet!
- Waschen Sie den benutzten Lappen gut mit Spülmittel aus und legen ihn im nassen Zustand ausgebreitet in die Mülltonne!
- Ich habe auf einer angeblichen "Fachseite" eines Möbelanbieters gelesen, daß man solche Lappen trocknen lassen sollte und dann normal entsorgen kann. Das ist ein Fehler! Selbst ein ausgewaschener und getrockneter Lappen kann sich innerhalb einer Stunde entzünden, das habe ich selbst erlebt! Das Leinöl oxidiert dann nämlich einfach weiter. Solche Lappen ! immer ! mit Spülmittel auswaschen und tropfnaß in eine Plastiktüte geben, diese zuknoten und in die draußen stehende Mülltonne legen!
(Der Hintergrund: Leinöl trocknet nicht, es oxidiert. Die Moleküle brechen also auf und verbinden sich mit den Sauerstoffatomen aus der Luft. Dabei entsteht Wärme, und der Flammpunkt von Leinöl ist niedrig. Ist der Lappen naß, wird dieser Prozeß unterbunden. Und wenn die Lappen ausgebreitet sind, kumuliert sich die Wärme nicht, und es passiert nichts).
Nehmen Sie das bitte ernst!
Jedes Jahr brennen Schreinereien und Tischlereien wegen leinölhaltigem Holzöl ab. Ein Kunde von uns, eine Waldorfschule, hatte vor wenigen Jahren ein neues Schulgebäude gebaut, aus Holz. Das Gebäude war komplett fertig, nur der Fußboden musste noch geölt werden, was Eltern taten. Diese ließen abends nach getaner Arbeit einen leeren, offenen Behälter mit leinölhaltigem Holzölresten im Gebäude stehen, mit der Folge: Das nagelneue und bezugsfertige Schulgebäude brannte über Nacht vollständig ab!
Also bitte, passen Sie wirklich auf, denn das kann böse enden.
Es gibt wirklich gute Gründe für ein leinölfreies Holzöl.
7. Möbelpolituren, Holzwachse und Holzbutter – was zu Massivholzmöbeln passt
Von Möbelpolituren halte ich übrigens sehr wenig. Diese bestehen oft aus irgend einer Soße, gerne auf Mineralöl Basis, die mit Verdünnungen, Emulgatoren, Silikonen und anderen Zusatzstoffen vermengt sind. Möbelpolituren bleiben auf der Oberfläche, schmieren die Holzporen zu und können zu einem speckigen Glanz führen. Falls Sie dennoch Möbelpolituren verwenden wollen, achten Sie auf die Inhaltsstoffe. Diese sollten aus reinen Pflanzenölen bestehen.
Auch Holzwachse empfehle ich nicht, weil auch diese nur auf der Oberfläche bleiben und das Holz gerne speckig wirken lassen. Ist das Wachs auf der Fläche nicht wirklich gut verteilt, führt das zu einzelnen speckigen Glanzstellen. Ziemlich unschön.
Es gibt aber Holzbutter, die durchaus empfehlenswert ist, vor allem für stark beanspruchte Flächen wie Küchenarbeitsplatten. Auch hier gilt: Unbedingt auf die Inhaltsstoffe achten! Insbesondere bei Arbeits- und Tischplatten sollte die Mittel das Zertifikat "lebensmittelecht" tragen!
Ein vernünftiges Holzöl ist für normale Holzmöbel schon am Besten. Es lässt sich leicht verteilen, dringt in das Holz ein und bietet einen guten Schutz. Und es ergibt eine schöne seidenglänzende Oberfläche für Ihr Massivholzmöbel.
8. Stark belastete Flächen ölen (wie Küchenarbeitsplatten, Tischplatten usw):
Hier bietet sich ein zweiter Öl-Auftrag an. Dazu lassen Sie die vorher geölte Fläche 24 bis 48 Stunden trocknen und bringen einen zweiten Auftrag mit Holzöl (lebensmittelecht) ein. Beim zweiten Mal Ölen benötigen Sie weniger Öl. Ein vorheriges Anschleifen der Fläche ist nicht nötig.
9. Geheimtip zum Ölen von Massivholz
Wenn Sie das Holzöl im Wasserbad auf etwa 60 Grad Celsius erwärmen, wird es dünnflüssiger, lässt sich besser auf dem Holz verteilen und hinein reiben und es dringt tiefer in das Holz ein. Gleichzeitig trocknet die geölte Fläche erheblich schneller, denn durch die Wärme wird der Aushärtungssprozeß stark beschleunigt.
Wenig bekannt, aber sehr wirkungsvoll, daher "Geheimtip". Für stark belastete Flächen sehr zu empfehlen!
FAQ – Massivholzmöbel anschleifen und nachölen
**Wie oft sollte ich Massivholzmöbel nachölen?**
Das hängt von Nutzung und Raumklima ab. In vielen Haushalten reicht es, geölte Massivholzmöbel nur alle paar Jahre nachzuölen. Spätestens wenn die Oberfläche stumpf wirkt, rau wird oder Wasser nicht mehr gut abperlt, ist ein Nachölen sinnvoll.
**Welches Öl eignet sich zum Nachölen von Massivholzmöbeln?**
Zum Nachölen sind dünnflüssige Holzöle besser geeignet, weil sie sich gut verteilen lassen und keine Glanznester bilden. Geeignet sind z. B. Tauchöle oder auch Sonnenblumen‑ bzw. Distelöl. Dickflüssige Holzöle mit hohem Festkörperanteil können auf bereits geöltem Holz schnell speckige Stellen erzeugen.
**Warum wird von leinölhaltigen Holzölen abgeraten?**
Leinöl trocknet sehr langsam, hat einen starken Eigengeruch (oft mit Zitrusölen übertüncht, die Kopfschmerzen verursachen können) und ist in Lappen selbstentzündlich. Leinölgetränkte Lappen können sich bei falscher Handhabung von selbst entzünden und stellen ein erhebliches Brandrisiko dar.
**Wie schleife ich geölte Massivholzmöbel richtig an?**
Verwenden Sie Schleifpapier mit Körnung 120–180, ideal ist Korn 150. Immer nur in Faserrichtung schleifen, nie quer, sonst entstehen sichtbare Querkratzer. Für ein leichtes Glätten kurz über die Fläche gehen; bei Flecken oder Kratzern so lange schleifen, bis die Stelle sauber ist.
**Sind Möbelpolituren für geölte Massivholzmöbel geeignet?**
In der Regel nein. Viele Möbelpolituren basieren auf Mineralölen, Silikonen und Emulgatoren, setzen sich auf die Oberfläche, verschmieren die Poren und erzeugen einen speckigen Glanz. Besser ist ein passendes Holzöl. Wenn Sie dennoch eine Politur nutzen möchten, sollte sie ausschließlich aus reinem Pflanzenöl bestehen.
**Kann ich Holzbutter für meine Massivholzmöbel verwenden?**
Holzbutter kann für stark beanspruchte Flächen, z. B. Küchenarbeitsplatten, sinnvoll sein. Achten Sie aber unbedingt auf die Inhaltsstoffe (pflanzliche Öle, möglichst ohne problematische Zusätze). Für normale Holzmöbel ist ein vernünftiges Holzöl meist die beste und pflegeleichteste Lösung.
==> weitere Informationen zur:
- Wissenswertes zu unseren bio- und ökologischen Massivholzmöbeln
- unsere bio- und ökologischen Massivholzmöbel
- bio- und ökologische Holzbetten